Symbolbild KVB-Rad

Kölner Studierende haben ein Kontingent bei nextbike und können die ersten dreizig Minuten kostenlos fahren. Erst danach gilt der Normaltarif von 1€ pro 30min.

Das klingt doch gar nicht mal so schlecht. Auf einer Info-Veranstaltung in der Uni stand ein Herr und hat mir diesen Flyer in die Hand gedrückt. Auf dem Rückweg habe ich es dann direkt einmal ausprobiert; hier ist meine erste Erfahrung damit.

Schritt 1: Anmelden

Das Anmelden geht einfach, man füllt ein Formular aus und bekommt dann einen Bestätigungslink an seine Uni-Emailadresse sowie einen PIN an die Handynummer, mit der man sich anmelden kann. Das Handy-Feld in der Registierung hatte bereits +49 im Feld stehen, dazu jedoch später mehr.

Schritt 2: Die App installieren

Die App glänzt durch ansprechendes HTML5-Glitching, sobald man sie startet. Anschließend meldet man sich mit der Handynummer und dem PIN an und ruft die Karte auf. Leider weiß der Lokalisieren-Button oben rechts nicht, warum er da ist, aber ich wusste zum Glück ungefähr, wo ich mich befand.

Schritt 3: Such das Fahrrad, ja such das Fahrrad!

Auf der Karte kann man nun Fahrräder in der Nähe sehen. Ich stand auf dem Heumarkt und das nächste Rad sollte etwa 100m von mir entfernt stehen, laut Karte im Tunnel unter dem Maritim-Hotel. Sollte? Jup, denn da war nichts. Das nächste Rad war - laut Karte - 400m weiter vor dem Schokoladenmuseum; dort hingegangen fand ich tatsächlich eins.

Schritt 4: Sesam, öffne dich

Das Rad habe ich dann aufgeschlossen. Oder.. ich wollte es aufschließen. Wenn man in der App auf “Aufmachen” klickt, passiert nämlich nichts. Als ich auf dem Rad den frisch generierten Schlüssel eintippt passiert auch nichts. Mhm. Also nochmal in der App probieren. Was ist das denn?

Bike unavailable

Damnit, ich hab mich selber ausgesperrt! Oh, jetzt möchte das Fahrrad, dass ich meine Handynummer eingebe. Aber wie? Mit +49 war ich angemeldet, doch das Eingabefeld hat natürlich kein +-Zeichen.

Also, welche Variation könnte jetzt richtig sein?

  1. 01577…?
  2. 00491577…?
  3. 491577…?
  4. 1577…?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht mehr. Aber im Handy sah ich, dass meine Zeit schon lief. Und ich hatte nur 30min Freiguthaben. PANIK!!

Nach dem fünften Mal hin und her - die Uhr zählte inzwischen Minute 7 - lief dann endlich “SCHLOSS GEOEFFNET” über die 16-Segment-Anzeige. Also los.

Schritt 5: Fahrspaß

Domian-Meme: "Wie fährt es denn das Rad?"

Einerseits schaut man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul, auf der anderen Seite muss ich sagen: So heiß wie in den Werbeprospekten angepriesen, kam das Fahrrad natürlich nicht auf die Straße.

Doch zunächst: Der Bolzen, der zur Sicherung des Rads durch den Vorderreifen gesteckt war, hat sonst keinen Abstellort und klapperte die gesamte Fahrzeit rum. Schade! Außerdem waren nur drei Gänge ansteuerbar, wobei sich der Dritte fast anfühlte wie der Dritte aus Sieben; richtig schnell kam man also nicht voran und strampeln musste ich umso mehr. Als es vom Radweg auf´s Kopfsteinpflaster einer Seitenstraße ging, wurde jeder Stein direkt an mich weitergegeben und ich musste auf den Gehweg ausweichen..

Schritt 6: Und tschüss.

Vor dem Aldi in meinem StadtteilVeedel habe ich das Rad dann wieder abgestellt und wollte es gerade abschließen. Wie? Natürlich wieder mit dem Eiertanz aus App und dem Rad-Interface. Und auch das hat wieder gedauert. Aber immerhin bin ich nicht über die 30min-Grenze gekommen.

Abgestelltes KVB-Rad

Fazit

“Würden Sie das Angebot Ihren Freunden weiterempfehlen?” Das ist schwierig zu sagen, denn einerseits sind eigene Fahrräder in ihrem Fahrgefühl und allgemein in sämtlicher Usability dem KVB-Rad-Angebot weit überlegen. Auf der anderen Seite muss ich mir keine Sorgen um das Rad machen, es nicht in irgendeinen Fahrradkeller schieben und vor allem musste ich mich nicht darum kümmern, dass es am Schokoladenmuseum stand. Wer nur mal schnell ein Fahrrad braucht und sonst keins zur Verfügung hat, wird wahrscheinlich nicht sterben, wenn er das KVB-Rad benutzt, für längere Strecken ist es jedoch eher nicht geeignet.


Disclaimer

Ich habe bei einem Hersteller von Fahrrädern und Elektrofahrrädern gearbeitet. Dieser ist zwar mit keinem Bikesharing-Anbieter verbunden, jedoch finde ich es nur fair, diese Information in einem Disclaimer weiterzureichen.

Bilder-Quellen

  1. Kölner Verkehrs-Betriebe: KVB erweitert Mobilitätsangebot um Leihräder Ab 20. März 2015 stehen 910 Fahrräder im Umfeld von KVB-Haltestellen zur Verfügung vom 23. Oktober 2014
  2. Screenshot von 1LIVE Domian
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Veröffentlicht am von Jannik

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19 | der blasse, dünne Junge aus der Nachbarschaft | Macht Web Design, Theatertechnik und Pfadfinder | Ist #Wö‑Leiter | Studiert was mit Medien