Moin Timo, Tag der Rest,

gespannt habe eure Diskussion über die Digital Natives und die “paralleldigitalisierte Welt” verfolgt.

Im folgenden meine 2ct dazu. Ich (17) bin sehr digitalisiert aufgewachsen, mein Vater hat mir mit 6 HTML gezeigt und entsprechend früh bin ich in den Computertopf gefallen. Ich bilde mir ein, dass ich etwas von Rechnern und Entertainment-Systemen verstehe. Es gibt aber einige Punkte, die mir auffallen, wenn Mitmenschen ihre Geräte nutzen, und die bei mir nur Kopfschütteln auslösen.

  1. Menschen akzeptieren Ad- und Scamware. Ob es Toolbars sind, die sich besonderes bei älteren Menschen (Hi Opa) im Browser stapeln, oder Scam-Suchmaschinen, die so offensichtlich nicht Google sind, dass es schon weh tut.
  2. Facebook != “Das Internet”. Denn man surft nur durchs Internet, wenn oben eine Leiste mit URL ist. Und nur das zählt aufs Datenvolumen.
  3. Jugendliche (bis zu einem bestimmten Alter) interessiert es nicht, wenn sie gedrosselt sind. Sie brauchen aber auch kein “gutes” Internet, weil sie sowieso den ganzen Tag nur WhatsApp klicken.
  4. Niemand schaut auf Alerts. Eine gute Freundin meiner Mutter könnte wochenlang nicht angerufen werden. Als ich dann das iPhone auf den Tisch bekam, um den Fehler zu suchen, sah ich direkt den Fehler. “SIM gesperrt” stand oben links. Die Dame hatte nämlich über Wochen jedes Mal den “SIM entsperren”-Dialog weggeklickt, weil er den Weg zu ihren WhatsApp-Nachrichten versperrte. Gnarf. Auf dem Weg habe ich ihr dann auch mal fix auf iOS 9 geholfen.
  5. Dieser Punkt korrespondiert mit 1: Technische Sachen werden als gegeben gesehen. Mein Beispiel hier ist der Fernseher. Mein innerer Monk schreibt mir vor, dass Sender bestimmt angeordnet sein müssen. ARD auf 1, ZDF auf 2, ProSieben auf 7 sind die wichtigsten. Und ich kann nicht verstehen, wie Menschen jahrelang damit leben können, sich jeden Tag durch 600 (größtenteils Müll-) Sender klicken zu müssen. Gerade bei “modernen” TV-Systemen ist es eigentlich nicht zu komplex, seine Lieblingssender auf 1-20 zu programmieren. “Nein, ProSieben ist bei uns auf 1384, nicht auf 7” - das tut doch weh!
  6. Wenn der IT-Mensch das eingestellt hat, darf man da nichts ändern. Niemals. Dazu habe ich gleich zwei Beispiele. Das erste beschreibt Set-Top-Boxen oder Entertain-Boxen. Irgendjemand hat der befreundeten Familie mal erklärt, dass man erst den Fernseher anschalten muss, dann die Fernbedienung dreimal um seinen Kopf wirbeln und dann zwischen dem 2. und 3. Piepen die Set-Top-Box anschalten muss. Und sie tuen es. Jeden Tag aufs neue schüttelt das Familienoberhaupt die Remote. Das andere sind die Home-Wifis. Heilig für alle Jugendlichen, offen wie sonst etwas. Bei Freunden lief der Router letztens nur langsam. Meine erste Reaktion: Router neustarten. The IT-Crowd Aus der Küche ereilt mich ein “NOOIIIN! Lass die Finger davon! Du kannst doch nicht einfach den Router neustarten!”. Doch, mache ich zuhause zum Teil alle 2 Tage, wenn es wieder nicht rund läuft. Aber da durfte ich nicht.
    Das Problem hier ist, dass Menschen Angst haben. “Das haben wir schon immer so gemacht! Hast du überhaupt nen IHK-Abschluss auf dieser Maschine?”. Nein, aber ich will nicht dein Herz operieren, sondern den Router neustarten. Und jetzt lass mich durch, ich bin Nerd!

Das ist jetzt doch ein bisschen ausgeartet. Wie ist eure Erfahrung mit “Nicht Nerd-Freunden”? Erzähl deine Geschichte unten in den Kommentaren :)


Das ist ein ~Leser~Hörerbrief reagierend auf die aktuelle Bits und so-Folge. Bíts und so ist ein wöchentlicher Podcast, der sich mit Apple und Unterhaltungstechnik beschäftigt.

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Veröffentlicht am von Jannik

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